Beyond CSR – Von Corporate Societal Responsibility zur Corporate Sustainability Revolution

Beyond CSR – Von Corporate Societal Responsibility zur Corporate Sustainability Revolution

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Von Gerd Hofielen , 14. Februar 2018

 

 

1. CSR heute hat keinen Bezug zu Orientierungs-Rahmen

iDe heute praktizierte CSR (Corporate Societal Responsibility) wird weder den Anforderungen des Anthropozäns noch dem Prinzip der sozialen Gerechtigkeit gerecht, sie springt zu kurz. Es gibt bei Unternehmens-Entscheidungen weder einen Bezug auf die planetarischen Grenzen noch auf gesellschaftliche Entwicklungsziele wie die demokratischen Grundwerte oder die SDGs und damit keinen Rahmen, aus dem die Verhaltens-Orientierungen von Unternehmen abgeleitet werden könnten.

 

2. CSR muss von less-bad to net-positive vorangehen

Angesichts von bereits erheblich beschädigten Ökosystemen und krassen sozialen Ungleichheiten ist es erforderlich, das die unternehmerische Leistung deutlich zur Verbesserung der gesellschaftlichen und natürlichen Verhältnisse beiträgt. CSR muss von Schadensvermeidung zu Verbesserung der Lebensbedingungen vorangehen.

Das wird möglich, wenn CSR auf ethischen Grundlagen bezogen wird und eine Orientierung an diesen Prinzipien praktiziert:

a) Schadensvermeidung und (Wieder-)Herstellung von intakten Öko-Systemen

b) Respekt für die Bedürfnisse der Stakeholder inkl. der Natur sowie

c) Werte-Schöpfung für Alle.

 

3. CSR muss eine ganzheitliche Betrachtung praktizieren und die Macro-Micro-Kopplung aufzeigen

Eine ganzheitliche Betrachtung der Wechselwirkungen von Unternehmen, Volkswirtschaft, Gesellschaft und Natur ist notwendig. Wie wichtig das wäre, um die Werte-Schöpfung einzelner Unternehmen zu steuern zeigt folgendes Beispiel:

Bei der Festlegung des Beitrags im Bereich Steuern wird in der politischen Diskussion eine Gesamt-Verpflichtung (das erforderliche Steueraufkommen) ermittelt und es erfolgt eine Bestimmung des Beitrags der Einzelnen (die gesetzlich geregelte Steuerschuld). Es gibt also eine Macro-Micro-Kopplung, der Beitrag des Unternehmens wird auf Basis des gesellschaftlichen Bedarfs ermittelt.

Im Unterschied dazu gibt es bezüglich der Nutzung der Dienstleistungen der ökologischen Systeme keinen gesellschaftlich vereinbarten, transparenten Modus der Verteilung und Nutzung. Der Commons, der allen gehört, wird von Partikularinteressen zu deren Vorteil genutzt und übernutzt. Es gilt das Prinzip veni-vidi-vici oder jeder nimmt sich, was er kann.

 

4. Unternehmens-Entscheidungen müssen Stakeholder-Interessen integrieren

EntscheiderInnen müssen bereit sein, die Interessen aller Beteiligten am Werte-Schöpfungsprozess gelten zu lassen und sie an Entscheidungen zu beteiligen. Dazu sind Kommunikations- und Abstimmungsprozesse mit Stakeholder-Gruppen geeignet. Wo dies nicht praktikabel ist, müssen unternehmensinterne Entscheidungsprozesse deren Interessen stellvertretend integrieren und transparent machen.

 

5. Systemwechsel: Die Corporate Sustainability Revolution.

Der grundlegende Systemwechsel in der Wirtschaft, weg von der ausschließlichen Priorität für Profiterzielung für Shareholder hin zur Werte-Schöpfung für Stakeholder inkl. der Natur ist notwendig. Gewinne stellen die Existenz- und Innovationsfähigkeit sicher, aber wenn Gewinne zum höchsten Ziel werden, leidet oft die Werte-Schöpfung für andere Stakeholder, vorwiegend die Natur. Das Gemeinwohl mit Bezug zu den Grundwerten der Verfassungen muss in das Zentrum der Entscheidungen der Unternehmen und des Wirtschafts-Systems gerückt werden.

6. Weichenstellungen

Die beiden zentralen Veränderungen, die dabei vorzunehmen sind, und die ein Weiterdenken der heute praktizierten CSR erfordern, sind

a) der Schutz der Natur, die Sanierung und Anerkennung der Existenz-Bedingungen der Öko-Syteme und damit die Sicherung ihrer Dienstleistungen für Mensch und Wirtschaft, sowie

b) die Orientierung der Wirtschaft auf das Gemeinwohl.

 

7. Ethische Kompetenz: Überwindung des Dominanz-Prinzips. Kooperation statt Konkurrenz

Um das zu ermöglichen, braucht es eine höhere ethische Kompetenz der EntscheiderInnen in der Wirtschaft. Wir sind daran gewöhnt, dass die eigenen Interessen hauptsächlich verfolgt werden. Was im persönlichen Verhalten oft gesund ist, wird angesichts gesellschaftlicher Machtungleichgewichte eine schiefe Bahn. Je größer die wirtschaftliche Macht, also je größer ein Unternehmen, desto wichtiger ist die Überwindung der Ego-Zentrierung hin zur Ethik-Zentrierung. Das Prinzip der Dominanz der Stärkeren und des Winner-takes-all muss zugunsten der Prinzipien von gleichberechtigter Kooperation und Respekt für die Interessen aller weichen.

 

8. Verteilung der Werte-Schöpfung darf nicht weiterhin durch die Markt-Macht bestimmt werden

Die Festlegung des Anteils an der Wertschöpfung ist den Marktgesetzen unterworfen, hinter denen sich Machtverhältnisse verbergen. Markt-Transaktionen enthalten in der Preisbildung und damit der Werte-Verteilung immer eine Mischung von Marktverhältnissen (z.B. Kosten-Strukturen, Angebots-Nachfrage-Beziehungen) und Machtverhältnissen (Monopole, Oligopole, Kartelle, Informationsvorteile), die oft eine strukturelle Festigkeit haben. Dadurch können die wirtschaftlich Stärkeren bessere Preise durchsetzen und die Verteilung der Werte-Schöpfung bevorzugt in ihre Richtung lenken.

Teil dieser Macht-Logik ist, dass die Beiträge der Natur zur Wertschöpfung in den meisten Fällen nicht bepreist werden, weil es keine Agenten gibt, die sich dafür einsetzen. Die mächtigen Interessengruppen, die Naturleistungen nutzen ohne zu bezahlen, verhindern Gesetze, die Naturleistungen bepreisen würden. NGOs und Wissenschaft formulieren die Natur-Beiträge am deutlichsten. Das wird jedoch für die Unternehmensrechnung erst dann relevant, wenn der Staat dafür Preise und Inkassoagenturen festlegt. Und der Staat wiederum ist von den mächtigen Interessengruppen dominiert, die genau dies verhindern.

 

9. Die Macht der Ethik muss die Ethik der Macht übertrumpfen

Da bei den Fragen der Werte-Schöpfung und ihrer Verteilung in der Gesellschaft die Machtfaktoren und die Kraft der Interessendurchsetzung eine wesentliche Rolle spielen, und die besten Argumente von Zivilgesellschaft und Wissenschaft bei den Machtgruppen in Wirtschaft und Staat kein Gehör finden, wird die wesentliche Aufgabe der gesellschaftlichen Auseinandersetzung klar: Das Prinzip der Dominanz der Stärkeren ist durch die ethischen Prinzipien der a) Schadensvermeidung und der b) gleichberechtigten Werte-Schöpfung für alle Interessengruppen, einschließlich der Natur, zu ersetzen. Das leben z.B. mehrere hundert Gemeinwohl-zertifizierte Organisationen vor. Das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie wird von ihnen als Brücke von der konventionellen zur lebensdienlichen Wirtschaftsweise benutzt.

 

10. Erster Schritt: Freiwillige Initiativen von Unternehmen

Welche Kräfte in der Gesellschaft können als Agenten für diese Prinzipien auftreten? Da sind wir erst am Anfang. Freiwillige Initiativen von UnternehmerInnen können richtungsweisend wirken. Diesen Initiativen kommt eine entscheidende Mobilisierungsfunktion zu. Organisationen in der Zivilgesellschaft unterstützen diese oder initiieren weitere Initiativen.Um Allgemeingültigkeit zu erlangen, müssen die Vorschläge und modellhaften Veränderungen dieser Initiativen im politischen System aufgegriffen und durch den Staat in Gesetze formuliert und durchgesetzt werden.

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